Wie die Blockchain die Pharmaindustrie sicherer macht

Die Blockchain-Technologie wird aktuell heiss diskutiert – vor allem in der Pharmaindustrie. Dort sorgen nicht nur der globale Wettbewerb, sondern auch neue Regularien und Richtlinien zur Qualitätssicherung für steigende Anforderungen an das Supply Chain Management. Der Einsatz der neuen Technologie soll künftig die Sicherheit und Transparenz erhöhen. Aber wie funktioniert die Blockchain?

Die Blockchain-Technologie wird in der Pharmaindustrie aktuell heiss diskutiert. Ihr Einsatz soll die Sicherheit und Transparenz erhöhen. (Foto: Pixabay)

Erfunden wurde die Blockchain von der Entwicklergemeinde rund um die Digitalwährung Bitcoin. Für das digitale Zahlungsmittel wurde die Technologie zunächst erprobt und anschliessend optimiert. Schnell wurde klar, dass sie das disruptive Potenzial besitzt, um auch in anderen Branchen bisherige Geschäftsmodelle zu revolutionieren.

Technisch gesehen ist die Blockchain eine dezentral geführte Datenbank. Vergleichbar ist sie mit einem digitalen Geschäftsbuch, das sämtliche Transaktionen in einem Protokoll – der Blockchain – aufzeichnet. Alle Vertragspartner können jederzeit auf dieses Geschäftsbuch zugreifen und nachverfolgen, welche Transaktionen zu welchem Zeitpunkt vorgenommen wurden.

Jeder Vorgang wird ausserdem mit dem vorherigen verknüpft und kryptografisch verschlüsselt. Auf diese Weise sind Manipulationen praktisch ausgeschlossen. Gespeichert werden die Daten nicht zentral auf einem Server. Stattdessen ist auf jedem Computer, der die Technologie anwendet, eine Kopie hinterlegt. Dadurch ist das System ausfallsicher, benötigt allerdings auch eine hohe Rechnerleistung.

Blockchain soll für mehr Transparenz und Sicherheit sorgen


Da die Pharmaindustrie einer der am stärksten regulierten Wirtschaftszweige überhaupt ist, ist er für den Einsatz der Bockchain prädestiniert. Eines der Ziele, zu dessen Umsetzung die Technologie beitragen kann, ist der Schutz der Konsumenten vor Fälschungen und verdorbenen Produkten. Obwohl die Technologie noch in einem relativ frühen Stadium befindet, wird ihr Einsatz derzeit rege diskutiert.

So entwickeln und erproben immer mehr Unternehmen, Start-ups und Investoren Ideen und Anwendungsmöglichkeiten mit dem Ziel, die Supply Chain vor Risiken zu schützen, die an jedem Punkt in der Kette auftreten können: bei der Rohstoffbeschaffung, bei der Produktherstellung sowie bei Lagerung, Transport, Vertrieb und Verkauf des Produktes.

In diesem Zusammenhang wird derzeit ein neues Pharma-Supply-Chain-Tracking-System entwickelt, das unter Einsatz der Blockchain-Technologie für mehr Sicherheit und Transparenz sorgen soll. Mit dem System sollen Arzneimitteltransporte durchgängig dokumentiert und auf der ganzen Welt nachverfolgbar sein.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Container stand zu lange in der Sonne. Normalerweise würde dies dem Empfänger erst bei der Eingangskontrolle auffallen. Erfassen jedoch an dem Container angebrachte Sensoren, die in das Blockchain-basierte Netzwerk eingebunden sind, die Unterbrechung der Kühlkette in Echtzeit, ist die Information direkt für alle Beteiligten zugänglich. Ein weiteres Plus: Der Eintrag ist fälschungssicher, denn die Blockchain überprüft permanent alle Daten-Blöcke auf Übereinstimmung und Nachverfolgbarkeit. Manipulierte Daten sind somit ausgeschlossen. Letztlich können Fehler innerhalb der Lieferkette so auf ein Minimum reduziert werden. Das senkt wiederum die Kosten im Supply Chain Management.

Sichere Supply Chain durch Blockchain


Ein weiteres Thema, dass die Branche bewegt, ist die Möglichkeit, die Entwicklung von Pharmaprodukten jederzeit nachvollziehen zu können. Hierbei hilft die Blockchain, denn sie ermöglicht es, jederzeit zu verstehen, wie das Endprodukt zustande gekommen ist. Nicht nur die Daten sind zweifelsfrei nachvollziehbar, die Blockchain stellt auch sicher, dass die Informationen nicht im Nachhinein manipuliert wurden. Zudem ist jederzeit nachvollziehbar, wer bei der Herstellung wessen Wissen genutzt hat. Dies spielt im Pharmabereich eine wichtige Rolle, da insbesondere im Forschungsbereich hohe Investitionen nötig sind.

In dieselbe Kerbe schlägt auch die Rückverfolgbarkeit von Pharmaprodukten. Denn häufig sind gefälschte Medikamente oder Placebos auf dem Markt. Auch hier kann es schwierig sein, die Herkunft der Inhaltsstoffe zu identifizieren. Durch ein kürzlich zum Patent angemeldetes Verfahren soll den Pharmaprodukten ein digitaler Fingerabdruck zugeschrieben werden. Der bisherige Standardansatz setzte auf die Lesbarkeit von Maschine zu Maschine. Mit der nun möglichen Kommunikation zwischen Maschine und Objekt lassen sich bestehende Verfahren und individuelle Identifizierungsmerkmale, wie etwa der Scan des bekannten Barcodes, künftig mit Blockchain-Technologien verknüpfen. Wird ein Echtheitszertifikat auf Basis einer Blockchain eingesetzt, kann der Hersteller genau sehen, wo die Rohstoffe herkommen und so Fälschungen identifizieren.

Blockchain schafft Vertrauen beim Konsumenten


Noch haben die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie den Pharmamarkt nicht vollständig durchdrungen. Allerdings sollten sich die Unternehmen besser heute als morgen mit dem Thema befassen. Denn insbesondere vor dem Hintergrund von Produktfälschungen wird der Markt zukünftig noch sensibler werden. Schon heute legen Konsumenten grossen Wert auf detaillierte Informationen  über die Inhaltsstoffe und ihre Verträglichkeit. Der Einsatz der Blockchain kann das Vertrauen des Konsumenten stärken, denn die Technologie gibt glaubhaft Preis über alle notwenigen Informationen, die das Produkt betreffen.