Hyperloop: Das Transportmittel der Zukunft?

Im vergangenen Dezember gaben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) bekannt, dass sie zusammen mit der in Zürich ansässigen Non-Profit-Forschungsorganisation EuroTube den Bau einer Teststrecke für Hochgeschwindigkeitstransporte im Kanton Wallis planen. In der Gemeinde Collombey-Muraz soll ab Mitte dieses Jahres eine Art Vakuumröhre errichtet werden. Welches Potenzial ein solcher Hyperloop hat und was er für die Zukunft sowohl des Güter- als auch des Personentransports bedeutet, haben wir für Sie recherchiert.

Skizze eines Hyperloops – so könnte der Personentransport in einer Hochgeschwindigkeitsröhre zukünftig aussehen. (Foto: Canva)

Das Terrain um die Walliser Gemeinde Collombey-Muraz ist sehr flach und weist kaum Hindernisse auf. Beste Voraussetzungen also, um in der sonst bergigen Schweiz ein Pilotprojekt zum europäischen Hochgeschwindigkeitstransport auf den Weg zu bringen. Baubeginn der drei Kilometer langen, überirdischen Teststrecke, welche sich zwischen dem Bahnhof Vionnaz und dem Ort Muraz erstrecken wird, soll frühestens in der zweiten Jahreshälfte sein.

Mit 900 km/h durch die Röhre

Optisch ähnelt das innovative Transportsystem einer überdimensionalen Rohrpost. Technisch funktioniert es, indem ein Grossteil der Luft aus jener Röhre gesogen wird, die Transportkapseln sich in dem annähernd entstandenen Vakuum durch Magnete vom Boden abheben und von ihnen beschleunigt werden. Somit sind die schwebenden „Pods“ nicht mehr den verlangsamenden Kräften von Reibung und Luftwiderstand ausgesetzt und gleiten durch die Tube. Hierbei kann theoretisch eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 1100 km/h erreicht werden, was nahezu Schallgeschwindigkeit gleich kommt. Die Schweizerische Forschungs- und Teststrecke ist laut SBB jedoch nur für 900 km/h konzipiert.

Ursprünglich entwickelt und erstmals vorgestellt hat das Konzept des Hyperloops im Jahr 2013 der amerikanische Unternehmer Elon Musk, Gründer des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX sowie des Elektroautoherstellers Tesla Motors. Für die weitere Entwicklung regte Musk ein offenes, partizipatives „Open Source“-Konzept an, bat um Einsendung von Verbesserungsvorschlägen und richtet Wettbewerbe aus.

Vorreiter in Europa

Inzwischen beschäftigen sich weltweit mehrere Forschungsteams von Universitäten und Start-ups mit der Umsetzung dieser luftwiderstandsfreien Fortbewegung. Eines von ihnen, Hyperloop Transportation Technologies (HyperloopTT) aus Kalifornien, baut derzeit – parallel zum SBB-Projekt – eine erste Teststrecke auf europäischem Boden. Im südfranzösischen Toulouse soll neben dem betriebseigenen Test- und Forschungszentrum noch in diesem Jahr eine einen Kilometer lange Teststrecke errichtet werden. Erst kürzlich hat das US-amerikanische Unternehmen den Zuschlag erhalten, bis 2021 eine 100 Meter lange Teströhre im Hamburger Hafen zu bauen. Die Idee ist, dass zukünftig bis zu 4.100 Container täglich von den Terminals, an denen die Schiffe entladen werden, in kurzer Zeit in umliegende Logistikzentren transportiert werden können – ganz ohne den Einsatz von Lkw. Eine weitere europäische Teststrecke plant aktuell das kanadische Start-up TransPod im französischen Droux.

Tatsächliche Zukunftsmusik…

Theoretisch weist die Technologie ein grosses Potenzial für die Mobilität der Zukunft auf. Die Kapseln können nicht nur aussergewöhnlich schnell, sondern auch sehr energieeffizient und umweltfreundlich durch die Röhren befördert werden. Der Luftwiderstand, der mit steigender Geschwindigkeit im Quadrat zunimmt, sinkt im Hyperloop nämlich auf ein Minimum. Die zum Betrieb der Röhren notwendige Energie soll von Solarpanelen bezogen werden. Ausserdem könnten auf diese Weise die überanspruchten Autobahnen, Hafenstrassen und Bahnstrecken entlastet sowie die Luftverschmutzung reduziert werden. Durch eine oberirdische Verlegung der Fahrröhren entlang bestehender Autobahntrassen sollen die Kosten des Fahrwegs als teuersten Teil des Konzeptes niedrig gehalten werden. Das finale Ziel ist es, in Zukunft nicht nur Material, sondern auch Passagiere mit der Röhrenbahn zu befördern.

… oder abgespacet?

Kritiker merken jedoch an, dass die Idee zwar physikalisch machbar sei, ihr Umsetzung aber extrem teuer würde. Zudem sei eine Reihe technischer Herausforderungen bislang noch nicht gelöst. So gebe es zum Beispiel das physikalische Problem der Abwärme, welche von technischen Geräten erzeugt und an die Umgebung abgeleitet werden müsste, was sich in einer luftleeren Umgebung allerdings schwierig gestaltet.

Insbesondere unter Logistikern stellt sich im Falle des Hamburger Hafens die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, Container auf Schallgeschwindigkeit zu beschleunigen, um sie dann kurze 20 Kilometer durch Hamburg zu jagen. „Eigentlich ergibt die Hyperloop-Technologie auf kurzen Strecken wenig Sinn“, sagt zumindest Florian Janke gegenüber der Wirtschaftswoche. Er ist einer von drei Projektleitern eines Studententeams der TU München, das im Juli zum dritten Mal in Folge den Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk gewonnen hat. Ausserdem zeige die Technologie im Cargo-Einsatz eine Reihe von Nachteilen: Für Container müsse der Röhrendurchmesser sehr gross sein, was das System wiederum sehr kostspielig mache.

Beim Personentransport ist laut Widersachern vor allem die Sicherheit fragwürdig – zum Beispiel im Falle eines Erdbebens. Zwar soll der Hyperloop mit einem Notsystem ausgestattet werden, welches die Kapseln stoppen lässt, doch durch die hohe Geschwindigkeit von über 1000 km/h würde sich ein Bremsweg von fast zwei Kilometern und eine Bremszeit von 15 Sekunden ergeben. Zudem wäre die Rettung der Passagiere im Notfall extrem schwierig. Auch seien vermeintlich banale Probleme wie die Installation von Toiletten noch nicht geklärt.

Um einen Teil dieser noch offenen Fragen beantworten zu können, wollen die SBB und EuroTube Machbarkeits- und Umweltverträglichkeitsstudien auf der Teststrecke durchführen. Andere Unternehmen, die an Hyperloop-Komponenten arbeiten, sind eingeladen, dort ebenfalls ihre Entwicklungen zu testen. Auch wir bei Krummen Kerzers werden als zukunftsorientierter und nachhaltiger Betrieb das Projekt gespannt verfolgen und hoffen, dass sich bald wichtige Einblicke in den Aufbau und Betrieb dieses potenziell leistungsstarken Verkehrsträgers ergeben.